ZZ Ohne Mückenspray geht nichts mehr 2023

Veröffentlicht am 2. August 2023 um 04:00

Von Grennwood Lake wollen wir eigentlich weiter Richtung Bear Mountain laufen, doch der zweibeinige Jim vom Lake Lodging rät uns davon ab. Die heftigen Regenmassen, die in den letzten Wochen im Bundesstaat New York runtergekommen sind, haben viele Straßen unpassierbar gemacht und große Teile des Trails überflutet. Wir hätten wieder Wasserpfade durchqueren und Umwege in Kauf nehmen müssen. Ich bin ja nicht so zimperlich, aber überflutete Wege, bei denen ich nicht weiß, auf was ich trete mag ich dann doch nicht so gerne. Mein Lieblingsmensch hatt wohl die gleichen Sorgen um mich. Wer weiß, was für eine Schlange im Untergrund auf mich wartet und zubeißt. Aufgeweichte Pfoten sind auch ein Problem und wer weiß, ob die Sohlen an den Schuhen meines Lieblingsmenschen dann vielleicht vollständig verschwunden würden.

Wir fahren also mit dem Auto, zusammen mit Buffalo, einem anderen zweibeinigen Hiker, mit dem wir am Vorabend gegrillt haben. 
50 Kilometer weiter kurz vor dem Hudson River geht es dann auf Pfoten wieder weiter.

 

Bear Mountain Bridge 

Bei schönen Wetter und klarer Sicht hätten wir bei der Überquerung des Hudson Rivers sogar die New Yorker Skyline sehen können, aber das ist leider nicht der Fall.

Manchmal, wenn auch selten, führt der Trail direkt an einer kleinen Raststätte vorbei, was natürlich sofort zum Ausruhen, Essen, Trinken, Kleinigkeiten für unterwegs kaufen und Handys aufladen genutzt wird. Während mein Lieblingsmensch den Hunger stillt, nutze ich die Gelegenheit nichts zu tun. 

Nach der Pause ging es dann weiter. Auf dem Gelände eines Baseballplatzes gab es dann die nächste Zeltmöglichkeit, sogar mit einer Dusche mit kalten Wasser. Mir sollte es egal sein, denn ich brauche sowas nicht. Es hat schon seine Vorteile, kein Zweibeiner zu sein.

Auf unserem Weg tags darauf zum Canopus Beach Shelter haben wir Glück. Der Weg ist wieder einmal sehr steinig und mit vielen steilen Abschnitten. Nach 15 Kilometern machen wir eine Pause auf einem Parkplatz, um danach weitere 9 Kilometer mit den gleichen Schwierigkeiten zu meistern.

Wir sitzen kaum, als ein zweibeiniger Parkranger mit seinem Pickup auf den Platz fährt, aussteigt und meinen Lieblingsmenschen fragt, wie es uns geht und wo wir hin möchten. " Zum Canopus Beach?" Ja da müsse er auch gleich hin, ob wir denn nicht mitfahren wollen. Kann man so ein Angebot ablehnen? 4 Stunden laufen oder eine kurze Autofahrt?

Klar fahrn wir mit! Der nette Ranger bringt uns bis zum Shelter und so sind wir eine der ersten dort am frühen Nachmittag.

So kann mein Lieblingsmensch in Ruhe das Zelt aufbauen und dann mit mir zusammen zum Strand und zum Strandimbiss gehen.

Ich genieße die so gewonnene Zeit zum dösen im Schatten und mich von anderen Hikern kraulen zu lassen.

 

Mein Lieblingsmensch schwimmt sogar im See. Badesachen hat sie ja irgendwie schon an. Die Kleidung, die man zum Laufen benutzt und zum Schlafen kann man auch im Wasser nutzen. Ich habe schließlich auch kein Fell zum Wechseln.

Unser nächste Übernachtungsmöglichkeit liegt direkt auf dem Grundstück einer Pizzeria, was den zweibeinigen Hikern die Gelegenheit gibt, ihren Hunger mit andere Dingen zu stillen als mit den üblichen Trockenfutter aus der Tüte.

An uns vierbeinigen Hikern wird mal wieder nicht gedacht, obwohl auch wir uns über ein bisschen mehr Abwechslung freuen würden.

Das ist Stevie, er ist taub, aber ein netter Kumpel, der mir nun schön öfters über den Trail gelaufen ist.

Jede Gelegenheit wird genutzt, um Handy und Powerbank aufzuladen.

Auch solche Zweibeiner gibt es!

Wenn es auf dem Weg hier her schon viele Mücken gibt, die mein Lieblingsmensch nur mit Mückenspray abwehren kann, laufen wir jetzt durch feuchte Wiesen und Sumpfgebiete, dass selbst das Einsprühen nicht mehr viel hilft und eine Pause zum Ausruhen wegen der Blutsauger nicht mehr möglich ist.

Es gibt sogar Züge, mit denen man fahren kann. Sehr selten, aber es gibt sie! Wann der nächste Zug hier halten würde war jedoch nicht ersichtlich. 

 

Also nichts mit New York, sondern weiter laufen und klettern.

Der erste Kletterübergang ist für mich noch recht einfach, beim zweiten ist die Leiter so steil, dass ich fast runterfalle und beim dritten fehlen Sprossen und mein Lieblingsmensch muss mit mir auf dem Arm rüberklettern. Das finde ich ja nun ganz blöd und würde es nach mir gehen, würden wir einfach zurück laufen, aber mein Lieblingsmensch meint, da müssten wir irgendwie durch.

Ja und gemeinsam schaffen wir es dann!

Weiter geht es dann bis zum kleinen Städtchen Kent im Bundesstaat Connecticut, in dem mein Lieblingsmensch sich endlich neue Schuhe kaufen möchte. Nun hat der Schuhladen jedoch montags geschlossen, so dass wir am nächsten Tag nochmal kommen müssen.

Wir verbringen den Nachmittag zum Futternachschub besorgen, in der Sonne schlummern und alle elektronischen Geräte aufladen, ohne die Zweibeiner scheinbar sehr hilflos sind.

Beim Visitorcenter könnte mein Lieblingsmensch auch duschen , aber die funktioniertausnwelchen Gründen auch immer bei ihr nicht. 
Dann geht es zum Trail zurück, ein kurzes Stück steil den Berg hinauf zum Shelter und am nächsten Morgen zurück zum Schuhgeschäft.

Die neuen Schuhe werden dann gleich am selben Tag erstmal mit Wasser gefüllt bei der nächsten brückenlosen Flussüberquerung und dann kommt noch ein Gewitter mit soviel Regen am Nachmittag, dass an uns nichts mehr trocken bleibt. Am Wegesrand warten wir unter dem großen Regencape das Gewitter ab und laufen dann bis zum nächsten Zeltplatz. Zum Glück ist es im Zelt nachher trocken und mein Fell bis zum nächsten Morgen auch. Das Ersatzfell meines Lieblingsmenschen nicht und sie zieht es nass wieder an. Was sollte sie auch anderes tun? Bei Zweibeinern sind viele Dinge sehr unpraktisch finde ich.

 

Müde und von Mücken zerbissen, ich wohl weniger als mein Lieblingsmensch, erreichen wir den übernächsten Tag Salisbury in Connecticut und können unser Zelt im Garten eines kleinen Hostels aufstellen.

Von netten Amerikanern, schlammigen Pfaden und der Haltbarkeit einer Hikerausrüstung erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Happy Trails 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.