Während ich am nächsten Morgen noch gar nicht richtig wach bin und meinen Schlafplatz unter dem Bett nicht schon verlassen will, ist mein Lieblingsmensch schon wieder unterwegs.
Nach dem Frühstück geht sie zur Post, da mein zweiter Lieblingsmensch ein Päckchen von zu Hause geschickt hatte.
Hoffentlich ist es schon da! Wenn es in Damascus ankommt wenn wir schon wieder weitergewandert sind, wäre das wohl nicht so gut.
Aber mein Lieblingsmensch hat Glück. Ist doch das Päckchen genau an diesem Morgen bei der Post angekommen. Irgendwie Trail Magic!
Und der so wichtige Inhalt? Die Ersatz-Reißverschluss-Klemmen!
Diese hatte mein Lieblingsmensch während unserer letzten Reise besorgt, aber im Glauben, der Reißverschluss sei repariert, natürlich zu Hause gelassen.
Jetzt ist alles gut, das Zelt ist dicht!
Und Gamaschen hat sie sich gekauft, damit ihre Füße nicht immer so schmutzig werden beim Laufen.
Ich will ja nichts sagen, meine Pfoten werden ja auch schmutzig, aber bei mir fällt der Schmutz einfach wieder ab. Bei den Zweibeinern scheint das wohl anders zu sein wie so vieles andere auch.
Gegen Mittag, ich habe mich mittlerweile unter dem Bett hervor bewegt und lasse mich von anderen Hikern kraulen, geht es dann wieder los. Von mir aus hätten wir bleiben können.
Wir laufen aber nicht allzu weit, es ist ja schließlich auch schon der halbe Tag rum.
Übernachten tun wir dann auf einem Platz im Wald, nur wir beide.
Die Befürchtung, dass sich dann vielleicht ein Bär in unsere Nähe traut, bleibt unbegründet. Zumindest haben wir keinen bemerkt in der Nacht. Wie auch? Da schlafe ich ja.
Dann geht es bei schönem Sonnenwetter weiter hoch zum Mount Rogers, der 1750 Meter hoch ist. Gezeltet wird wir dann am Thomas Knob Shelter und tags darauf steigen wir wieder über viele Felsen ab. Die wildenPonies kenne ich ja bereits, bin mir aber nicht sicher, ob die sich auch an mich erinnern können.
Die ersten 500 Meilen(800 Kilometer) haben wir geschafft!
Die Ponies
Wieder kein Regen und nur Sonnenschein. Wie gut dass wir jetzt wieder im Wald laufen, sonst wäre mir das doch zu warm geworden. Ich kann mein Fell ja nicht ausziehen.
Mein Lieblingsmensch hatte in Damaskus reichlich Futter für uns besorgt und da das Wetter so schön war und wir viel bergauf und bergab gelaufen sind, haben wir beide ordentlich Hunger und so ist nach ein paar Tagen nicht mehr viel übrig.
Also runter vom Trail, um von der Straße aus nach Troutdale zu gelangen. Dort soll es einen kleinen Laden geben, der für Futternachschub sorgen soll.
Es ist sehr heiß und und kein Baum an der Straße, der Schatten bietet. Ich laufe ja sowieso nicht gerne an der Straße entlang und nun auch noch die Sonne.
Die ersten Versuche meines Lieblingsmenschen, ein Auto anzuhalten, schlagen fehl, aber dann nimmt uns doch noch eine Zweibeinerin mit.
Die fünf Kilometer wären für mich wirklich zu viel gewesen.
Troutdale Depot ist ein kleiner Laden mit kleiner Auswahl an Futter. Nicht mal speziell Futter für mich gibt es dort.
Doch die Inhaberin hat selbst Hunde und so schicktsie ihren Mann los, um für mich Futter zu besorgen.
Ich bekomme also meine Trockenkekse und mein Lieblingsmensch Kaffee und selbstgemachte Brownies.
Gleich nebenan ist die Kirche, die Hikern so wie uns eine Unterkunft gegen eine Spende anbietet.
Wir sind die einzigen Gäste dort und haben die Unterkunft für uns alleine.
Und dann kommt doch noch der Regen. Aber da sind wir schon längst trocken untergebracht.
Mit viel Futter für mich und wenig Futter für meinen Lieblingsmenschen geht es nach Kaffee und Brownies vom Troutdale Depot an die Strasse, um mitgenommen zu werden.
Es gibt tatsächlich Autos, die durch diesen winzigen Ort fuhren, aber leider nicht anhalten
Hier wird alles als Stadt bezeichnet, auch wenn es sich nur um eine Ansammlung von ein paar Häusern handelt.
Wir werden nach langem Warten mitgenommen und der nette Fahrer bringt uns sogar noch ein Stückchen weiter und wir können uns so eine Wegstrecke ersparen.
Auch gut, denn sonst hätte ich Spirit nicht kennen gelernt. Ein super netter Hundekumpel!
Während es an manchen Sheltern und Zeltplätzen sehr einsam ist, sieht es an anderen Stellen wieder ganz anders aus.
Auch sowas findet man auf dem Weg
Immer noch kein Regen? Leider doch, aber nicht soviel und ich kann meine Regenmantel wieder ausziehen.
Die jetzige Strecke hatte ich noch in Erinnerung. Es geht wieder an der alten Schule vorbei, die schon über hundert Jahre alt ist.
Mein Lieblingsmensch liest auf einem Schild, dass es Trail Magic in der Schule geben sollte.
Leider geschlossen! Ist das dann auch Trail Magic?
Dafür laufen wir zum alten Farmhaus und seinen vielen Nebengebäuden. Natürlich auch schon ganz alt.
Das Farmhaus.
Danach geht es weiter zur großen Straßenkreuzung mit viel Verkehr, Tankstelle und Futterplatz.
Gerade rechtzeitig erreicht, bevor der große Regen uns erwischt.
Hier machen wir Pause. Ich verkrieche mich gleich unter den Tisch, von wo aus ich am besten entspannen und von wo aus ich aber auch am besten beobachten kann.
Eine Zweibeinerin, die mich sieht, geht sofort wieder zu ihren Auto zurück, um für mich ein Leckerlie zu holen. Sehr aufmerksam. Daran sollten sich die Zweibeiner zu Hause mal ein Beispiel nehmen.
Nach langer Pause laufen wir im Nieselregen weiter wieder in den Wald hinein. Der Regen hört auf und mein Liebblingsmensch kann im Trockenen unser Zelt unter großen Rhododendron aufstellen. In der Nacht regnet es dann doch ordentlich, aber wir liegen ja sicher und trocken im Zelt.
Der Appalachian Trail wird in diesem Jahr einhundert Jahre alt!
1925 entstand die Idee, den Fußweg von Georgia bis nach Maine durch das Apalachen Gebirge ohne Unterbrechungen auszuweiten.
Der Appalachian Trail Conservancy erreichte, dass sich viele Mountain Clubs und freiwillige Helfer dafür einsetzen, den Fußweg zu markieren und dafür zu sorgen, dass er passierbar bleibt. Das bedeutet, umgestürzte Bäume zu entfernen, Gräser zu mähen, Schutzhütten aufzustellen und instand zu halten.
Seit hundert Jahren wandern nun Zwei- und Vierbeiner auf diesem Weg von Süd nach Nord und umgekehrt.
Jeder einzelne hinterließ und hinterlässt seinen Fuß- und Pfotenabdruck und vielleicht ist es das , was den Trail seinen Zauber gibt.
Heute Mittag sind wir im Bear Garden Hostel angekommen und dürfen sogar im Bunk House übernachten.
Haben das Haus wieder mal für uns alleine, was ja auch immer sehr nett ist.
Es regnet übrigens immer wieder zwischendurch. Hoffentlich hört der Regen morgen auf.
Happy Trails
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Viel Spaß weiterhin
Heidrun & Burkhardt