R Franklin, nette Zweibeiner und kein Netz 2023

Veröffentlicht am 5. Mai 2023 um 13:59

Für meinen Lieblingsmenschen fällt das Abendbrot etwas mager aus, da nur noch ein Burgerladen geöffnet ist und der nichts ohne Fleisch im Programm hat. So gibt es die Burger nur mit einer Scheibe Käse und Ketchup. Dafür ist der zweibeinige Verkäufer sehr nett und aufmerksam und ich bekomme leckeren gebratenen Schinken von ihm. Auch malt er eine Wegbeschreibung auf wie wir am nächsten Tag zum Supermarkt kommen können.Vom Hundekumpel nebenan bekomme ich auch noch etwas Futter und wir müssen nicht allzu hungrig die Nacht überstehen.

Vor dem Einkaufen geht es Tags darauf in den Hundepark. Ja sowas gibt es auch in Amerika und der sieht auch nicht viel anders aus als bei uns zu Hause. Ich bin allerdings der einzige Hund dort, was die Sache für mich nicht unbedingt interessanter macht.

Auf dem Weg zum Einkaufen lernen wir die zweibeinige Mo kennen. Mein Lieblingsmensch fragt sie nach dem Weg zum Walmart ( sie kann mal wieder die selbstgemalte Beschreibung nicht lesen!)

"Ihr wollt zu Fuß zum Walmart? Ich weiß gar nicht wie man da hinlaufen soll!" Ganz einfach der Nase nach würde ich sagen, aber ich werde ja wieder mal nicht gefragt. Hat aber den Vorteil, dass Mo uns mit ihrem Auto dort hinfährt und erklärt wie wir mit dem Shuttlebus zurück kommen können. Falls das  nicht klappt, holt sie uns auch wieder ab.

Es funktioniert mit dem Shuttle und wir treffen im Bus wieder die gleichen zweibeinigen Hiker vom Trail.Irgendwie laufen wir uns alle immer wieder über den Weg.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Shuttlebus, wieder mit den selben Insassen zurück zum Parkplatz vom Winding Stair Gap und von dort aus dann wieder hoch in die Berge.

Es ist ein ewiges Auf und Ab. Das was wir auf der einen Seite hochlaufen laufen wir auf der anderen Seite wieder runter. Ob es mir Spaß macht? Nicht immer, aber die meiste Zeit finde ich es schon aufregend, den ganzen Tag unterwegs zu sein und stets neue Gerüche erschnüffeln zu können. Klar so ein bisschen mehr Pausen könnten es schon sein. Pausen zum Dösen und Schlafen. Leider ist da mein Lieblingsmensch ganz anderer Meinung und findet, dass ich nachher am Ziel genug ausruhen kann.

Nach einem langen, anstrengenden Aufstieg erreichen wir den Wayah Bald Mountain mit seinem Feuerturm. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch recht fit, während mein Lieblingsmensch gar nicht mehr weiter möchte. Aber oben bleiben geht nicht, also doch weiter zum nächsten Shelter. Da wir diesmal mit zwei anderen zweibeinigen Hikern unterwegs sind, fällt es ihr ein wenig leichter.

Wir kommen dann auch ohne Zwischenfälle abends im Shelter an.
Während ich mich dann natürlich sofort der Entspannung hingebe muss mein Lieblingsmensch noch einiges tun wie das Zelt aufbauen, alles für eine bequeme Nacht für uns vorbereiten und Essen kochen. Manchmal da kocht sie auch gar nichts, da geht sie doch tatsächlich mit mir zusammen schlafen. Ja ich gebe zu, auch ich bin manchmal so müde, dass auch ich auf mein Futter verzichte. Es ist auch für mich anstrengend, aber das muss ja niemand wissen.

 

Wir sind morgens meist die letzten, die sich wieder auf den Weg machen. Warum? Also an mir liegt es nicht, ich stehe auf, schüttel und streck mich und dann bin ich fertig. Wie gesagt wir sind spät dran und kommen dementsprechend auch spät am Nantalaha Outdoor Center an, nachdem wir schon 10 km gelaufen sind. Der Trail führt direkt hindurch und es läd zum Verschnaufen ein.

Wir hätten uns dort eine komplett neue Ausrüstung kaufen können, Boot fahren, Essen, in der Sonne vor uns hinschlummern, all das hätten wir machen können. Aber es ist schon nachmittags und wir müssen weitere 10 km den Berg auf der anderen Seite wieder hoch laufen.

Der Berg ist genau so steil wie auf der Karte eingezeichnet und es geht auch kein bisschen runter oder gerade aus. Also ich wie immer vorne weg und mein Lieblingsmensch hinterher. Auf halber Strecke treffen wir das deutsche zweibeinige Pärchen wieder, die uns schon seit Wochen begegnen. Sehr sympathisch, die kraulen mich immer ganz lange.

Wir kämpfen uns dann gemeinsam über den Berg, über umgestürzte Bäume, Felsen und Baumwurzeln hinweg. Nach über 5 Stunden erreichen wir den Sassafras Gap Shelter und ich glaube, dass ist einer dieser Tage wo mein Lieblingsmensch gleich mit mir schlafen geht.

Nachts stürmt und regnet es dann fürchterlich und ich bin froh, im Zelt trocken und sicher sein zu können.

 

Wir nähern uns immer mehr dem Smokie Mountain Nationalpark, in dem Hunde nicht erlaubt sind, außer  Begleithunde oder Rettungshunde oder wie auch immer die genannt werden. Was haben die was ich nicht habe? Knurren die einen Schwarzbären anders an oder besänftigen die ihn sogar ? Ich weiß es nicht, mir ist es irgendwie auch egal, Hauptsache ich bin mit meinem Lieblingsmenschen zusammen. Wir wollen also um den Park herumfahren. Da es hier kaum Busse oder Züge gibt, plant mein Lieblingsmensch einen Shuttle zu organisieren. Eigentlich nicht so schwer wenn man telefonieren kann. Ja wenn! 
Eigentlich hat man hier in den Bergen kaum die Möglichkeit eine Verbindung herzustellen und so ist das Telefonieren auch nicht möglich. So plant mein Lieblingsmensch den nächsten Tag nur bis zum nächsten Parkplatz zu laufen, um von dort alles zu organisieren. Da der Appalachian Trail auch immer wieder Straßen überquert brauchen wir auch nur 10 km laufen. 
Dort angekommen, gedanklich lag ich schon dösend in der Sonne, blickt mein Lieblingsmensch verzweifelt auf ihr Handy. Immer noch kein Netz und weit und breit kein Zweibeiner und auch kein anderer Hund zu sehen.

Was tun? Einfach zum nächsten Parkplatz laufen, der scheint auch größer zu sein und ist auch nur 10 km weit weg. Schade, dabei habe ich mich schon so schön hingelegt.

Es ist der Parkplatz am großen Fontana Stausee, die letzte Station vor dem Smokie Mountains.

Gibt

es hier eine Telefonverbindung? Auch nicht! Aber die netten Zweibeiner in der Gaststätte am See helfen weiter. Die suchen für uns einen Shuttle Service heraus, mit dem wir am nächsten Morgen fahren können. Am nächsten Morgen? Das bedeutet für uns im nächsten Shelter zu übernachten. Nochmal über 2 km den Berg hinauf laufen, dabei bin ich doch schon so müde und schlafe schon in der fast Gaststätte ein

.

Ich weiß gar nicht  wie ich das überhaupt schaffen soll, doch irgendwie gelingt es mir. Oben angekommen treffen wir auch wieder die netten deutschen Zweibeiner. Wie gesagt hier trifft man sich immer wieder und nicht nur die Zweibeiner auch die gleichen Hunde begegnen sich des Öfteren.

Während mein Lieblingsmensch noch kocht, isst und sonst noch was macht, liege ich schon längst im Zelt und träume von faulen Zeiten auf dem Sofa bei uns zu Hause.

 

So, während die Hiker ohne Hund die Smokies, hoch, kalt und noch mehr Bären, überqueren, lassen wir den 6-Tagemarsch aus und fahren zur Standing Bear Farm. Aber davon beim nächsten Mal.

Happy Trails 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.