So auch wir haben unseren Trail Namen gefunden: Blue Rabbit und Mountain Paw
Jeder, der den Appalachian Trail durchwandert, hat nämlich seinen eigenen und seinen Trail Namen. Mit dem Trail Namen tragen sich alle auch in sämtliche Logbücher und Gästelisten ein. Mein Lieblingsmensch ist also ab sofort Blue Rabbit! Ich selbstbin jetzt Mountain Paw, was bei den vielen Bergen, die ich auf und ab laufe, irklich gut passt. Sobald ich irgendwo auftauche, höre ich zunächst die Worte:"Was für ein wunderschöner Hund!", dann die Frage:" Wie heißt der Hund?" und dann:" Darf ich sie streicheln?" Manchmal höre ich schon von Weitem:" Hallo Mountain Paw, wie geht es dir?" Ich verstehe natürlich nicht alles was die Zweibeiner so von sich geben, aber solche Dinge versteht sogar ein Hund.
Wir können ja leider nicht in dem schönen Hostel bleiben, da für uns kein Platz mehr vorhanden ist und so geht es am frühen Abend zurück zum Parkplatz von wo aus wir zum nächsten Zeltplatz laufen. Ich mache mir darüber ja kaum Gedanken, aber mein Lieblingsmensch fühlt sich gar nicht so wohl. So ganz allein auf dem Platz ist dann doch etwas unheimlich. Kommt vielleicht doch ein Bär vorbei und riecht das Futter? Wie bereits erwähnt ist die Technik, den Futterbeutel in den Baum zu hängen noch nicht so ganz ausgereift.
Also lassen wir alles im Zelt, gekocht wird nichts, denn das lockt die Bären mit Sicherheit an und außerdem fängt es wieder zu regnen an. Da möchte von uns keiner mehr raus und ein Bär will im Regen bestimmt auch nicht rumlaufen oder?
Es regnet fürchterlich in dieser Nacht mit Gewitter aber zum Glück ohne Schwarzbär. Am nächsten Morgen geht es dann bei Nieselregen weiter. Wir wollen gerade los, als an unserem Platz ein uns bekannter zweibeiniger Hiker vorbeikommt und meinem Lieblingsmenschen die Bärenwarnung mitteilt. Im Carter Gap Shelter soll sich ein Bär herumtreiben und wir sollen diesen Shelter meiden. Ok soweit wollen wir an diesem Tag eh nicht laufen, aber wie weit läuft ein Bär in der Nacht? Also ich schlafe nachts und mit Bären kenne ich mich nicht aus.
Wir kommen, nachdem wir die Grenze zwischen Georgia und North Carolina überschritten haben, im Regen auf dem Zeltplatz an. Es steht sogar ein weiteres Zelt da, was meinen Lieblingsmenschen sehr beruhigt. Wieder einmal muss sie sich beeilen, das Zelt vor dem großen Regen aufzubauen und ich warte auch schon ungeduldig, um ins Trockene zu kommen.
Bly Gap Zeltplatz
Wie es in den Bergen so ist, ist das Wetter am nächsten Tag sonnig und trocken und wir wandern weiter. Ich natürlich vorne weg und mein Lieblingsmensch an der Leine hinterher.
Es sind ja nun nicht die Feldwege, die ich von zu Hause kenne, abgesehen davon, dass es hier bergig ist und es ständig zwischen hoch und runter wechselt, es sind die Pfade selbst, die nicht ganz ohne sind. Es geht über Baumwurzeln, riesigen Felsbrocken und Bächen hinweg. Ich natürlich ganz elegant und leichtpfotig, während mein Lieblingsmensch...... Naja reden wir mal lieber nicht drüber!
Am Carter Gap Shelter kommen wir natürlich auch vorbei und wundern uns, dass dort trotz Bärenwarnung zwei Zelte stehen. Wir laufen daran vorbei, man weiß ja nie genau wo sich der Schwarzbär gerade aufhält.
Wir laufen weiter zum nächsten Zeltplatz, zum Betty Creek Gap. Ist da nicht was? Stimmt, zwischen dem Platz und dem anderen Shelter wandert der Bär umher!
Traut sich ein Bär auf einen Platz mit 15 Zelten? Mein Lieblingsmensch findet dies eher unwahrscheinlich. Außerdem müssen wir hier übernachten und es fängt auch schon wieder zu regnen an. Erstaunlich wie schnell unser Zelt immer steht. Ich kann es auch kaum abwarten, ins Trockene zu kommen.
Wir kuscheln uns gemütlich ein für die Nacht und ich schlafe ein. Plötzlich werde ich von einem schrecklichen Krach aus den Schlaf gerissen. Was ist das? Ein lautes Scheppern mitten im Wald, nicht weit von uns. Ein Bär! Da traut sich der doch tatsächlich, zu uns auf den Platz zu kommen und reisst einen ganzen Baum um, um an den Futterbeutel von den Zweibeinern zu ergattern, die neben uns zelteten. Wie gut, dass unser Futterbeutel nicht im Baum hängt, sonst müssten wir am nächsten Morgen die zerfetzten Reste einsammeln.
Manchmal hat man ja auch Glück. Unser Futterbeutel ist bei uns im Zelt und da muss sich ein Bär erstmal an mir vorbei wagen.
Nach dem Schrecken der Nacht klettern wir am nächsten Tag bei schönsten Wetter auf einen hohen Berg . Ich natürlich vorne weg und mein Lieblingsmensch keuchend hinterher. Ok, sie hat ja noch den Rucksack zu tragen, aber auch ich trage mein Gepäck und das sind auch 1,2 kg. Und ich stelle mich trotzdem geschickter an. Aber ich bin halt auch ein Hund und einfach besser!
Nach kurzer Ruhepause geht dann weiter bis wir nach 20 km den Winding Stair Gap Parkplatz erreichen, um von dort irgendwie nach Franklin zu kommen. Es ist wieder einmal spät, alle Versuche in einem Hostel unterzukommen schlagen fehl und einen Fahrservice gibt es auch nicht.
Wir haben wieder mal Glück und ein netter Zweibeiner nimmt uns mit und sucht mit uns gemeinsam auch eine Unterkunft.
So landen wir in SaphirInn wo auch ich willkommen bin und mit im Zimmer schlafen darf.
Während mein Lieblingsmensch aus welchen Gründen auch immer, sich unter die Dusche begibt, mache ich mir es auf dem Bett bequem. Wozu Duschen? Ich kann die Zeit für bessere Dinge nutzen.
Wie es weiter geht? Ich denke mal zunächst mal auf Futtersuche begeben, denn das wird für uns beide knapp. Dann einen Tag ausruhen und dann weiter.
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Kommentare
Hi Tilly, Ihr erlebt ein tolles Abenteuer. Und wenn deinem Lieblingsmenschen bei Regenwetter, nassem Zelt und Bärenbesuch vielleicht mal Zweifel kommen sollten, hat sie zum Glück ja dich, um sie mental aufzubauen. Ich bin gedanklich bei Euch. Ganz viel Spass und passt auf Euch auf. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Susanne