So die ersten 500 Meilen haben wir geschafft!
Mit den neuen Schuhen läuft mein Lieblingsmensch tatsächlich besser und schneller. Stolpern tut sie trotzdem, wenn auch weniger. Erst letztens ist sie wieder hingefallen. Ich wie so oft vorne weg und da ist wirklich nichts zum Stolpern, ich hört nur komische Geräusche hinter mir, dann ein ruckartiges Reißen an meiner Leine und ich komme nicht mehr weiter. Da liegt mein Lieblingsmensch wieder einmal ausgestreckt auf dem Weg, recht bewegungsunfähig, da der Rucksack sie nach unten drückt. Es tut mir ja leid, aber mehr als ihr tröstend über das Gesicht lecken kann ich in dem Fall auch nicht. Ich stolper doch auch nicht über meine Pfoten!
Trail Days in Damascus ist das Ereignis, das jährlich Ende Mai stattfindet und für alle Hiker ein Muss ist. Hier treffen sich alle Thru Hiker, Sektion Hiker und Day Hiker mit zwei Beinen oder vier Pfoten.
Mein Lieblingsmensch möchte auch unbedingt dabei sein und ihre größte Sorge ist, es bis Damascus nicht rechtzeitig zu schaffen. Und nun? Jetzt sind wir schon drei Tage vor dem ereignisreichen Wochenende dort eingetroffen. Zuerst plant mein Lieblingsmensch, weiter den Trail zu laufen, um dann irgendwie für einen Tag zurück zu fahren.
Aber das ist hier ja alles nicht so einfach, zumal wir ja mitten in den Bergen waren. Statt der Trail Days laufen wir halt weiter.
Mir ist das ja ganz recht. Es wäre da bestimmt laut und voll gewesen, also nichts für meine zarten Hundeohren. Und wer weiß ob ich nicht wieder diesem Hund über den Weg gelaufen wäre, den ich gar nicht mag und der mir schon öfters auf dem Trail entgegen kam.
Wir übernachten bei Crazy Larry und dann wanderten wir weiter.
Die erste Nacht nach Damascus schlafen wir am Fluss, ganz alleine nur wir zwei mit unserem Zelt. Eigentlich will mein Lieblingmensch zum Zeltplatz, der auf der Karte eingetragen ist, aber den gibt es scheinbar nicht.
Dann geht es am nächsten Tag weiter zum Thomas Knop Shelter, ganz weit oben auf 1650m. Dort soll es wilde Ponies geben.
25 km müssen wir diesmal laufen, wobei die letzten 7 km wohl die schlimmsten sind. Nicht nur für meinen Lieblingsmenschen, auch meine Pfoten und Sinne werden mehr als gefordert. Es geht steil bergauf, nur über Felsen und kein Weg ist zu sehen. Das ist wieder einer der Momente wo meine Schnüffelnase zum Einsatz kommt und ich meinem Lieblingsmenschen den Weg zeigen muss. Also ich vorne weg und sie hinterher, nur den Blick auf die Steine und meinen Puschelschwanz gerichtet.
Kurz vorm Dunkelwerden kommen wir dann ganz erschöpft oben an. Keine Wildpferde, dafür aber ein weiter Blick über die Berge.
Zelt aufbauen, Wasser holen überlies ich meinem Lieblingsmenschen, zumal die Wasserquelle ein weiteres Bergsteigen erfordert und ich bin ja schon so müde.
Ponies und Kühe gibt es dafür am nächsten Tag zu sehen.
Auf dem Weg zum Trimpi Shelter treffen wir zwei super nette zweibeinige Hikerinnen aus Kanada, die so begeistert von mir sind, dass sie mir eine große Tüte mit getrockneten Fleischstücken und später auch noch ein großes Stück Käse schenken. Sehr, sehr lecker, aber leider schon alles aufgefuttert. Jetzt ist bis auf Thunfisch nur noch Trockenfutter übrig. Jeden Tag Trockenfutter das ist als ob ihr jeden Tag nur Kekse essen müsstet. Auf Dauer ist das nichts. Ich kenne ein paar Hundekumpels, die bekommen auch nichts anderes, ihr Leben lang nur die selben Kekse! Da habe ich es dann doch besser, zumindest zu Hause. Mal Fleisch, mal einen Knochen, mal Leber, unterwegs und zwischendurch immer wieder andere Leckerlies. Ach und wenn ich dran denke, wenn mein Lieblingsmensch Hühnchen kocht. Schon der Geruch ist so schön und ich bekomme jedes Mal die leckere Haut zum Futtern. Oder die feine Leberwurst, die sie für mich hat. Ja auf all die schönen Dinge muss ich hier verzichten und mich mit den Keksen zufrieden geben.
Nach fünf Tagen sind auch die Futtervorräte meines Lieblingsmenschen aufgebraucht und es muss für Nachschub gesorgt werden.
Wir laufen also zum nächsten Shelter, der ganz nah an der kleinen Stadt Marion liegt. Direkt neben an gibt es ein Informationscenter über Naturschutz und alles Wissenswerte über den Trail. Sonntags ist dort aber geschlossen, es gibt jedoch ein Telefon mit Nummern von Shuttle- und Pizzaservicen. Na da wird uns doch ein Shuttle in die Stadt fahren können. Aber egal wo mein Lieblingsmensch anruft, es geht nur die Mailbox an. Sonntag eben!
Gut dann fahren wir halt per Anhalter zum Einkaufen. Irgendjemand wird schon einen Zweibeiner mit Rucksack und Hund mitnehmen. Kaum stehen wir an der Straße, hält auch schon eine nette Zweibeinerin mit Namen Carry und nimmt uns mit zum Einkaufszentrum, die sind hier auch am Sonntag geöffnet. Und nicht nur, dass sie uns hinfährt, sie holt uns später auch wieder ab, nachdem wir all unsere Einkäufe erledigt haben. Naja ich wohl weniger, ich darf ja leider nie mit rein und musst vor der Tür warten. Ich vertreibe mir aber mit einer Schlummerrunde meine Zeit, ist auch sehr schön.
Mein Lieblingsmensch isst noch Pizza, ich feine, neue Leckerlies und dann geht es zurück zum Shelter, wo wir unser Zelt aufstellen. Ist übrigens verboten. Zelten ist im Bereich dieses Shelters nicht erlaubt. Warum auch immer.
Es hält sich aber niemand dran!
Eine alte Farmschule von 1894
Mein Lieblingsmensch steckt netter Weise einen ihrer schweissdurchtränkten 10 Dollarscheine in die blaue Spendenbox neben der Tür. Na der wird wohl hoffentlich trocken sein, wenn die Box geleert wird.
Weiter geht es über Bahnschienen hinweg, über weite Wiesen, an Bächen und Flüssen entlang zum Bear Garden Hostel: Einmal Duschen und Wäsche waschen!
In der Nacht juckt es mich plötzlich überall und ich musst mich ständig kratzen. Sehr unangenehm und schlafen kann ich so auch nicht.
Irgendwann wacht mein Lieblingsmensch endlich auf und schaut nach, was mit mir los ist.
Mit Schrecken entdeckt sie die vielen kleinen Zecken, die munter auf meiner Schlafmatte krabbeln. Zuerst fliegt also die Matte aus dem Zelt, dann wird mit Kopflampe, Klopapier und Wasser versucht, die unzähligen Zecken vom Zeltboden wegzubekommen. Dann werde ich mit ihrer Haarbürste durch gekämmt so gut es halt geht bei der Enge im Zelt.
Stunden später ist das Klopapier aufgebraucht und wir und das Zelt wohl zeckenfrei.
Woher ich die Zecken hatte? Ich weiß es nicht, vielleicht als wir über die vielen Wiesen am Tage gelaufen sind. Wie gut, dass die sich nicht in meinem Fell festgebissen haben!
Übrigens benutzt mein Lieblingsmensch seit dem ihre Bürste nicht mehr. Sie meint, die müsse erst mal richtig gereinigt werden. Verstehe ich nicht, wir teilen uns mittlerweile so viel, warum nicht auch die Zecken?
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