Heute soll es leichten Regen geben!
Nachdem wir im Angel Rest Hiker Heaven eine Pause für einen Tag eingelegt haben, es sollte nämlich Regen geben der aber nicht kommt, geht es weiter Richtung Norden.
Leichter Regen soll es am Nachmittag geben! Von wegen! Es fängt ganz leicht an und wird dann immer schlimmer. Da nützt auch dieses gelbe Teil nichts, was mich angeblich trocken halten soll. Meine Pfoten versinken im Matsch des aufgeweichten Trails, die hohen Gräser und Blätter machen mein Fell von der Seite nass und von oben kommt immer mehr Wasser runter. Und wir müssen noch so weit zum nächsten Zeltplatz laufen.
Die Berge sind hier oft sehr felsig, so dass es auch nicht möglich ist, irgendwo unser Zelt aufzuschlagen. Außerdem gibt es nirgendwo Wasser und mein Lieblingsmensch trägt schon kilometerweit unseren Wasservorrat mit. Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, da wir ja durch den Regen genug Wasser haben. Ich für mich kann mich auch aus Pfützen bedienen, aber bei so einem Zweibeiner sieht das anders aus. Ich sage ja immer: "Überhaupt nicht überlebensfähig!"
Also nach 22 km erreichen wir denn endlich unseren Platz erreicht, der Regen hört für einen kurzen Moment auf, um dann richtig loszulegen, als wir beide nass und müde im Zelt verschwinden.
Es giest bis zum Mittag des nächsten Tages und wir bleiben solange im Zelt. Ist auch ganz nett, zumindest kann mein Fell bis dahin trocknen. Das Ersatzfell meines Lieblingsmenschen allerdings nicht und sie muss alles so anziehen wie es halt ist: nass!
Die Sachen, die nicht angezogen werden, werden im Rucksack verpackt und los geht es zum nächsten Shelter. Zum Glück nicht sehr weit, aber da gibt es wenigstens Wasser. Leider auch von oben und ein weiterer Tag an dem nichts trocken bleibt.
Der nächste Tag sieht auch nicht viel besser aus, es nieselt leicht und alles bleibt nass. Also ich mag das ja ganz gerne wenn alles anfängt, etwas modrig zu riechen, aber das scheint bei Zweibeinern wohl anders zu sein.
Außer dass alles nass war kommt noch ein weiteres Problem dazu: Die Powerbank ist leer, das Solarpanel funktioniert nur bei Sonne und das Handy ist noch gerade für einen Tag geladen, kein Netz zum telefonieren und auch kein Hostel oder Stadt in der Nähe.
Der Tag ist genauso nass wie der vorherige, im Zelt ist es feucht, selbst meine schöne Schlafmatte ist mittlerweile von beiden Seiten nass und so schlafe ich auf der noch einigermaßen trockenen Jacke meines Lieblingsmenschen. Und dann kommt am Tag darauf wieder ein Trail Magic! Wir laufen bergauf im Nieselregen und kommen gegen Mittag auf eine kleine Straße auf der ein Zweibeiner Getränke, Muffins und gegrillte Würstchen anbietet. Das Süße für meinen Lieblingsmenschen und das Würstchen für mich! Und nicht nur das: Es kommt ein Auto vorbeigefahren, das erste wohl seit dem ganzen Vormittag mit der Aufschrift Shuttle !
Unglaublich! Es hält an und wir können mitfahren zum nächsten Hostel. Das ist zwar etwas weiter entfernt, aber die Gelegenheit alles zu trocknen und die Geräte aufzuladen.
Ja und hier wurde ich von einem riesigen Hund angegriffen!
Das Hostel ist hundefreundlich! So steht es in der Beschreibung, man solle nur vorher anrufen wenn man mit Hund kommt. Wie anrufen wenn kein Netz vorhanden ist?
Also marschieren wir durch das Tor auf das Haus zu, als plötzlich ein riesiger,weißer Hund auf mich zu rennt und in mich reinbiss. In die Seite, in den Nacken, in mein Hinterteil und in den Rücken. Ich schreie, mein Lieblingsmensch schreit und versucht den Hund wegzujagen. Dann kommt die zweibeinige Besitzerin dazu, jagt ihren Hund fort, schiebt uns ins Haus und macht die Tür zu.
Das ist vielleicht ein Schreck, zum Glück hat der blöde Hund nicht richtig reingebissen, aber Angst habe ich schon gehabt. Ich soll also im Hostel bleiben, da die Besitzerin sich nicht sicher ist, ob ihr Hund mich doch noch zerfleischen würde. Na auch gut! Ich will eh nicht mehr raus, verkrieche mich unter einen Tisch und erhole mich von dem Angriff.
Es ist viel los in der umgebauten Autowerkstatt. Viele zweibeinige Hiker übernachten hier oder machen Pause. Es gibt genug zu Essen, auch für mich viele Hundeleckerlies und abends wird sogar für alle gekocht!
Morgens gibt es sogar Frühstück und dann geht es wieder los.
Ich verstehe ja nichts vom Geld, aber es ist alles kostenlos und wer will kann etwas spenden!
Nach einer Übernachtung, ich schlafe unter dem Bett meines Lieblingsmenschen, geht es weiter Richtung dem McAfee Kob, den Klippen von denen die meisten Bilder gemacht werden. Der Weg dorthin ist sehr steil und felsig, oft muss ich wieder vorraus gehen, um den Weg zu finden. Problematisch ist auf der Strecke auch das mangelnde Wasser. Während es meist auf dem Trail überall kleine und große Quellen und Bäche gibt, gibt es hier für die nächsten 10 Kilometer nichts und mein Lieblingsmensch muss alle Flaschen von uns befüllen und hochtragen. Ich bin davon übrigens befreit, denn ich bin ja nur ein kleiner Hund und brauche meine Energie zum Laufen und Klettern. Schließlich will ich es ja bis Maine schaffen und da muss ein Hund wie ich schon etwas geschont werden.
Die Klippen am Tag darauf sind noch schöner, aber auch sehr anstrengend. 11 Stunden brauchen wir für die 25 Kilometer bis nach Daleville. Da es keine Wasserquelle gibt und es auf dem felsigen Bergrücken auch keine Zeltmöglichkeit, müssen wir halt die Strecke laufen, besser gesagt klettern.
Kurz vor Daleville gibt es dann endlich Wasser und eine kleine Fläche für unser Zelt am Wegesrand.
Zelten ist hier in der Gegend strikt verboten, aber das Schild sieht mein Lieblingsmensch erst am nächsten Morgen. Genauso wie sie am nächsten Morgen während des Zähneputzens den Bären sieht, der gemütlich den Pfad entlang kommt auf dem wir stehen.
Mit vollen Mund singen geht diesmal nicht, aber ein mehrmaliges undeutliches Hallo rufen reicht zum Glück aus und der Bär verschwindet wieder im Wald.
Beweisfoto gibt es leider nicht, aber wir werden auf unserem Weg bestimmt noch andere Bärenbegegnungen haben.
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