Wir sind mittlerweile wieder ein ganz großes Stück voran gekommen und der Trail wechselt nun zwischen Tennessee und North Carolina.
Was ist anders als beim letzten Mal? Zum einen sind nur sehr wenige zweibeinige Hiker hier auf dem Trail unterwegs, abgesehen davon dass auch die vierbeinigen Kumpels sehr selten sind, gibt es nirgends einen Trail Magic.
Dabei habe ich mich schon so darauf gefreut, ab und zu mal eine warme Suppe oder etwas anderes Feines zu bekommen.
Die perfekte Abwechslung zu meinen Trockenkeksen.
Mein Lieblingsmensch ist genauso enttäuscht und meint, dass der Trail Magic wohl mit dem großen Schwung der Hiker mitgezogen ist, der sich vier Wochen früher auf den Weg gemacht hatte.
Nach einem kurzen Aufenhalt auf der Standing Bear Farm, geht es dann wieder hoch in die Berge. Und das ohne Regen!
Ja es gibt tatsächlich trockene Tage mit Sonnenschein und wenn es dann auch nicht zu warm ist, macht mir das Laufen richtig Spaß.
Nachdem das Telefon meines Lieblingsmenschen wieder geht, ist sie auch wieder fröhlicher. Ihr glaubt gar nicht, wieviel Kuscheleinheiten ich ihr in den Tagen des Nichtfunktionierends geben musste.
Aber dafür bin ich ja schließlich da.
Über den Max Patch, einem baumlosen Hochplateaus, wandern wir bei Sonnenschein bis zum Walnut Mountain Shelter, um dort unseren Schlafplatz aufzubauen.
Wirklich? Nein es kommt wieder mal anders. Wo ist der Shelter? Auf der Karte er wohl eingetragen und auch die dazugehörige Wasserquelle.
Doch kein Schild ist zu sehen, kein Wasser, einfach nichts. Und das, nachdem wir schon 20 km unterwegs sind und ich mich schon so auf meine Decke freue.
Ich habe kein Wasser mehr, mein Lieblingsmensch hat kein Wasser mehr und Fire Bee, die nette Hikerin, die hinter uns her kommt, auch nicht.
Es nützt nichts, wir müssen noch mal weitere drei Kilometer bergauf laufen zur nächsten Quelle und Zeltplatz. Das macht dann auch mir keinen Spaß mehr, zumal wir jetzt in eine Gegend kommen, die sehr Schwarzbär gefährlich aussieht. Und dann kommen uns auch noch zwei Hiker entgegen, die erzählen, kurz vorher einen Bären gesehen zu haben.
Einen Bären sehen wollen, um tolle Bilder zu machen und wirklich einen Bären zu sehen, da gibt es einen gewaltigen Unterschied. Mein Lieblingsmensch läuft dann auch mit laut klappernden Trekkingstöcke die letzen Meter zum Zeltplatz. Sie besorgt sogar für uns noch Wasser. Sehr, sehr mutig finde ich.
Den Gewittersturm direkt über unserem Zelt ich dann wieder nicht mitbekommen. Ich habe geschlafen.
Und endlich kommen wir in Hot Springs in North Carolina an.
Der Hurrikan Helene hat dort im letzten Jahr ganz viel zerstört und der Ort sieht sehr traurig aus.
Das nette Laughing Heart Hostel gibt es nicht mehr und viele Geschäfte, Post und Bücherei sind geschlossen.
Wir finden trotzdem einen Zeltplatz, zwar ohne Toilette und Dusche, aber immerhin ein Platz zum Schlafen.Wozu waschen? Mache ich auch nicht!
Aber der Outfitter und ein Lebensmittelladen hat auf und mit neuer Hose, neuen Socken und neues Futter geht es am nächsten Mittag weiter.
Damit hat man wohl keine Sorgen mehr😂
Und dann kommen wir wieder am Haus der Southen Cookie Lady vorbei, die ich noch vom letzten Mal gut in Erinnerung habe, weil es da so feine Leckerlies gibt.
Bei ihr können die Hiker frisches Wasser bekommen, ihren Abfall dalassen und sich einen selbstgebackenen Erdnusskeks mitnehmen.
Für eine Spende von 10 Dollar für die zerstörte Bücherei in Hot Springs gibt es sogar Vanilleeis mit warmen Aprikosenpie. Offensichtlich schmeckt das meinem Lieblingmenschen.
Ich bekomme natürlich auch was und viele, viele Streicheleinheiten.
Weiter geht's Richtung Erwin
Die ersten 300 Meilen sind geschafft!
Obwohl nicht viele Hiker, weder zweibeinig noch vierbeinig unterwegs sind, sind wir nicht alleine auf dem Trail und treffen immer wieder auf andere Wanderer. Die sind natürlich besonders beeindruckt von mir, weil ich so leichtpfotig die Berge hoch und runter laufe. Ich glaube, die beneiden mich ein bisschen, weil ich es einfach besser kann.
Die Bear Box ist bei den meisten Sheltern und teilweise auch auf den Zeltplätzen zu finden. So können die Futtervorräte bärensicher aufbewahrt werden.
Was ist noch passiert auf dem Weg nach Erwin?
Ein Baum ist umgefallen! Nicht weit weg von Zelt und Shelter. Erst hörte es sich an wie ein Feuerwerk, das kenne ich nämlich von zu Hause, wenn die Zweibeiner das neue Jahr begrüßen, und dann bebte der Boden unter meinen Pfoten, mein Lieblingsmensch meinte, es sei wie ein Erdbeben gewesen, was immer das ist und dann gab es einen lauten Knall und dann Stille. Es muss ein sehr großer Baum gewesen sein.
Zum Glück ist der nicht auf unser Zelt gefallen!
Man soll ja immer Ausschau halten nach alten, kranken Bäumen, aber das ist wohl nicht immer so einfach.
Kurz vor Erwin bekommt mein Lieblingsmensch eine Nachricht von zu Hause bzw. von der Bank:" Ihre Kreditkarte ist vorübergehend gesperrt, bitte rufen Sie uns an!
Der nächste Schreck! Wieso ist die Karte gesperrt?
Also die Bank anrufen. Nichts leichter als das oder?
Das geht aber mit der Telefonkarte meines Lieblingsmenschen nicht. Dazu ist die wohl nicht ausgelegt. Also was tun? Bis Erwin laufen und hoffen, dass dort jemand ins Ausland telefonieren kann.
Was für Probleme die Zweibeiner haben. Wie gut, dass ich ein Hund bin!
Nach einem sorgenvollen Tag und einer schlaflosen Nacht hat mein Lieblingsmensch Glück und findet im Hostel von Uncle Jonny einen Hiker, mit dessen Telefon sie nach Deutschland telefonieren kann.
Was für eine Aufregung! Aber am Ende ist alles gut!
Wieder sauber
Nach 155 Kilometern haben wir uns eine Pause verdient und bleiben auch morgen den ganzen Tag hier.
Es regnet sowieso.
Happy Trails
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